Orgelbeschrieb vom Orgelexperten und Organisten Stefan Müller

Die neue Chororgel ist mitteltönig gestimmt. Dabei handelt es sich um die Stimmung, die vom 16. bis zum 18. Jahrhundert die verbreitetste war. Während im Mittelalter die reinen Quinten tonangebend waren, erwachte in der Renaissance die Liebe zu den reinen Terzen. In der mitteltönigen Stimmung wurden alle gebräuchlichen Tonarten mit reinen Terzen gestimmt. Da die Terzen die Gefühlsintervalle sind, wirkt die Musik durch diese reinen Terzen ungleich emotionaler. Leider kann man aus physikalischen Gründen nicht sämtliche 12 Tonarten rein stimmen. Als im Barock das Bedürfnis immer stärker wurde, alle Tonarten zu verwenden, wurde die mitteltönige Stimmung nach und nach durch die wohltemperierte Stimmung ersetzt; als Preis hierfür wurden unreine Terzen in Kauf genommen. Das   Konzept der Döttinger Chororgel besteht nun darin, die Vorteile beider Systeme zu verbinden: Es sollen alle Terzen rein gestimmt sein, gleichzeitig sollen sämtliche Tonarten musiziert werden können. Dies wird erreicht, indem man mittels Registerzug die jeweils gewünschte reine Terz wählen kann. Dieses System ist auch für Laien anwendbar. Für Profis ist es zudem möglich, die Obertasten zu teilen (Subsemitonien), ein System, das ebenfalls im Barock sehr verbreitet war. Ausserdem ermöglichen diese geteilten Obertasten, bisher wenig beachtete neue Intervalle wie die Naturseptime oder das Alphorn zu musizieren.

Die Orgel verfügt zudem über einen erweiterten Tastaturumfang, welcher das Repertoire bis zur Klassik und Frühromantik erweitert und durch Oktavierungen sowie geteilte Tastatur zusätzliche Klangfarben ermöglicht. Die Ästhetik der Orgel orientiert sich am weichen, runden Klangideal des süddeutschen Barocks, der die Schweizer Orgellandschaft stark geprägt hat und milder wirkt als die schneidende norddeutsche Klangwelt. Die Disposition wurde so gewählt, dass der Gemeindegesang durch den vorhandenen Subbass 16’ gut geführt werden kann. Auch für kraftvolle solistische Beiträge und sanfte Begleitungen ist die Orgel bestens gerüstet, indem sie sowohl starke prinzipalische als auch sanfte Flötenklänge verbindet. Nebst den normalen Klangfarben verfügt die Orgel über ein Glockenspiel und einen Vogelsang, wodurch man die Engel selber jubilieren hören kann.

Orgelkonzept: Stefan Müller und Anton Meier
Orgelexperte: Christian Scheifele, Zürich